Rathausbeduftung (2006)
Beitrag zur Austellung "Künstlerischer Entwürfe für das Rathaus St. Pölten" Kunstraum Niederösterreich, Austria
Seit Jahrzehnten existiert eine olfaktorische Besonderheit im Raum St. Pölten. Bei einer bestimmten Windrichtung ist in der ganzen Stadt ein schwefelartiger, fauliger Geruch wahrzunehmen. Grund dafür ist ein St. Pöltner Betrieb im Norden der Stadt der Viskosestoffe herstellt und dabei schwefelwasserstoffhaltige Abluft produziert (Abb.1). Dieser Geruch prägt seit den 60er Jahren das Stadt(Geruchs)bild von St. Pölten und hat der Stadt eine eindeutige Identität verliehen. Das Duft-Projekt „Rathausbeduftung“ thematisiert einen seit Jahrzehnten bestehenden lokalen, olfaktorischen Umstand.
Die Windrichtungsdaten von St. Pölten werden kontinuierlich mit Hilfe einer selbstprogrammierten Software von der Webseite der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik abgerufen. Diese Daten werden an einen Terminal im Rathaus weitergeleitet. Bei Wind aus Norden bzw. Nord-Osten setzt der Terminal via Ethernet sieben Duftmaschinen (Abb. 3) in Betrieb. Zwei Duftmaschinen befinden sich direkt vor dem Rathaus (Abb. 4), zwei weitere flankieren den Hintereingang, eine befindet sich Durchgang zwischen Haupeingang und Innenhof, eine im Innenhof und die siebente, kleinere Maschine, direkt in der Eingangshalle des Rathauses. Die Duftmaschinen sind in herkömmliche Pflanzenkisten eingebaut und so für den Rezipienten unsichtbar. Der Terminal steht direkt im Rathaus. Die Verbindung funktioniert via W-LAN (Abb. 5). In der Eingangshalle informiert eine Infotafel über das Projekt. Der versprühte Duft ist eine Geruchskomposition aus verschieden Pheromon-Duftstoffen. Aus der Sexualforschung ist bekannt, daß diese Pheromone Menschen stark beeinflussen (Abb. 6 und Abb. 7). Streß wird reduziert und man fühlt sich unterbewußt angezogen.